RICHARD WAGNER & ROBERT SCHLUNZE
Eine illustrierte Lesung

DAS RHEINGOLD

Aufführung vom 20/07/2017


WOGLINDE:

WEIA! WAGA! WOGE, DU WELLE, WALLE ZUR WIEGE! WAGALAWEIA! WALLALA WEILA WEIA!

Etwas verstörend, oder ..?! So beginnt Richard Wagners “Der Ring des Nibelungen”! DAS Monumentalwerk der Deutschen Kulturgeschichte – oder wie der Musikästhetiker Eduard Hanslik es nannte: “ein bombastisches Alliterationsgestotter!” … Mark Twain nannte Wagners Musik: “Gebumse und Gepauke und Gedröhne und Gekrache”!

Irgendwie hat mich das angesprochen!

“Vollendet in Wahnfried – ich sage nichts weiter!” Schrieb Wagner auf die letzte Seite der Partitur – nach 26 Jahren Arbeit an dem Mach(t)werk – Wahnsinn, damit hat er mich gekriegt!

Ich möchte euch gern eine Kurzfassung dieser gigantischen Geschichte von Gier, Macht, Verrat, Sex und Inzucht – und dem puren Wahnsinn – vortragen. Und weil ein Bild mehr sagt, als 1000 Worte, habe ich euch ein paar Bilder mitgebracht! – Hab ich selbst gemalt …

Beginnen wir also mit dem Ersten von vier Abenden … DAS RHEINGOLD

Der ganze Wahnsinn beginnt … Im Rhein. IM Rhein! Dort schwimmen die drei Rheintöchter Woglinde, Wellgunde und Flosshilde, munter vor sich hin. Die heißen wirklich so und sind drei echt ausgekochte Luder!

Das sind so richtige Bikini-Babes – ohne Bikini! Eigentlich sollen sie auf Vater Rheins sagenhaften Goldschatz aufpassen … Aber, wie die meisten Teenies, haben sie nicht das geringste Verantwortungsgefühl. So tollen sie also herum, spielen “Hasch mich, ich bin der Frühling” und faseln ziemlich unverständliches Zeug … “Wogalla Weia” – Und so …

WOGLINDE:

WEIA! WAGA! WOGE, DU WELLE, WALLE ZUR WIEGE! WAGALAWEIA! WALLALA WEILA WEIA

WELLGUNDE:

WOGLINDE, WACHST DU ALLEIN?

WOGLINDE:

MIT WELLGUNDE WÄR’ ICH ZU ZWEI.

FLOSSHILDE:

HEIALA WEIA! WILDES GESCHWISTER!

Sie bekommen Besuch. Alberich, aus Nibelheim. Er sieht die nackigen Nymphen und beginnt sogleich zu flirten, was das Zeug hält.

ALBERICH:

HE HE! IHR NICKER! WIE SEID IHR NIEDLICH, NEIDLICHES VOLK!

WOGLINDE:

HEI! WER IST DORT?

WELLGUNDE:

LUGT, WER UNS BELAUSCHT!

ALBERICH:

IHR DA OBEN!

DIE DREI:

WAS WILLST DU DORT UNTEN?

ALBERICH:

STÖR’ ICH EU’R SPIEL, WENN STAUNEND ICH STILL HIER STEH’? MIT EUCH TOLLTE UND NECKTE DER NIBLUNG SICH GERN …

Die drei Asi-synchron-Schwimmerinnen machen den Zwerg so richtig scharf – um ihn dann gehörig abblitzen zu lassen. Leider war diesen schneidigen Schnitten nicht klar, was sie damit anrichten. Letzendlich haben sie mit ihrer schicksenhaften Art das Reich der Götter zerstört und sind für gut 16 Stunden Oper verantwortlich. Hätten sie Alberich ran gelassen – was wäre uns erspart geblieben … Aber ich will nicht vorgreifen. Alberich – der will zugreifen! Greift aber, im wahrsten Sinne des Wortes, immer ins Leere.

ALBERICH:

GARSTIGER GLATTER GLITTSCHRIGER GLIMMER! MIT HÄNDEN UND FÜSSEN NICHT FASSE NOCH HALT ICH DAS SCHLECKE GESCHLÜPFER!

FLOSSHILDE:

NUN LACH ICH DER FURCHT: DER FEIND IST VERLIEBT.

WELLGUNDE:

DER LÜSTERNE KAUZ!

Zu Anfang necken die Nackt-Schnecken den Hobbit nur … dabei werden sie aber immer unverfrorener.

WELLGUNDE:

BIST DU VERLIEBT UND LÜSTERN NACH MINNE, LASS SEHEN, DU SCHÖNER, WIE BIST DU ZU SCHAU’N …

Also so: “Zeigst du mir deins, zeig’ ich dir meins …” so hofft Alberich jedenfalls. Doch dann zeigen die Rheintöchter ihr wahres Gesicht:

WELLGUNDE:

PFUI, DU HAARIGER, HÖCK’RIGER GECK! SCHWARZES, SCHWIELIGES SCHWEFELGEZWERG!

Daraufhin rastet Alberich völlig aus und schimpft:

ALBERICH:

LACHT IHR BÖSEN MICH AUS?! … WIE IN DEN GLIEDERN BRÜNSTIGE GLUTH MIR BRENNT UND GLÜHT! LÜDERLICH SCHLECHTES GELICHTER! NÄHRT IHR NUR TRUG, IHR TREULOSES NICKERGEZÜCHT? … FING EINE DIESE FAUST!

Kurz abgelenkt, von den glattrasierten Grazien, erblickt Alberich einen güldenen Schein aus der Tiefe des Rheins.

ALBERICH:

WAS IST’S, IHR GLATTEN, DAS DORT SO GLÄNZT UND GLEISST?

DIE DREI:

WO BIST DU RAUHER DENN HEIM, DASS VOM RHEINGOLD DU NIE GEHÖRT?

Nun werden die drei Urinien gänzlich übermütig und erzählen frei von der Leber von der sagenhaften Macht des Rheingoldes:

WELLGUNDE:

DER WELT ERBE GEWÄNNE ZU EIGEN, WER AUS DEM RHEINGOLD SCHÜFE DEN RING, DER MASSLOSE MACHT IHM VERLIEH!

Sogleich kommt aber die Warnung hinterher:

WOGLINDE:

NUR WER DER LIEBE LUST VERJAGT, NUR DER ERZIELT SICH DEN ZAUBER, ZUM REIF ZU ZWINGEN DAS GOLD!

Also mit anderen Worten “Du kriegst den Zauberring nur, wenn du auf die Liebe verzichtest” – Und das tut ja keiner … Also ehrlich gesagt müssen die wirklich strunz-doof gewesen sein, diese Rheintöchter! Da kommt so’n hässlicher Zwerg, so ein richtig hatschiches Geschieche, und dem sagen sie. “Du kannst das Gold nicht haben, denn du müsstest dafür ja auf die Liebe verzichten …”

Welche “Liebe” denn??? Guckt euch den doch mal an, ihr Hohlbirnen!!!

Alberich ist zwar häßlich – aber nicht so dämlich wie die Rhein-Barbies. Denn er erkennt eine bis heute gültige Wahrheit:

ALBERICH:

DER WELT ERBE GEWÄNN’ ICH ZU EIGEN DURCH DICH? ERZWÄNG ICH NICHT LIEBE, DOCH LISTIG ERZWÄNG ICH MIR LUST!

Das größte Sexualorgan des Mannes ist und bleibt das Portemonnaie!

ALBERICH:

SO BUHLT NUN IM FINSTERN, FEUCHTES GEZÜCHT! DAS LICHT LÖSCH’ ICH EUCH AUS! DENN HÖR’ ES DIE FLUTH – SO VERFLUCH’ ICH DIE LIEBE!

DIE DREI:

HALTET DEN RÄUBER!

RETTET DAS GOLD!

HÜLFE! HÜLFE! WEH! WEH!

Alberich versagt der Liebe, schnappt sich das Gold, zeigt den unterbelichteten Golden Shower Girls den Stinkefinger und zieht ab! Die Drei bleiben völlig bedröppelt zurück. Nun haben sie bis zum Ende der vierten Oper Zeit, über ihre Blödheit nachzudenken!

Alberich zieht sich zurück in sein Nibelheim und schmiedet aus dem Rheingold den Ring!

Deswegen heißt es übrigens auch “Der Ring DES Nibelungen” und nicht “DER Nibelungen” … Kleine Klugscheisserei …  Kaum hat Alberich den Ring am Finger … “Ein Ring, sie alle zu knechten” … (leise, wie Gollum) “… mein Schatz …” … entwickelt er die ausgefeiltesten Unternehmensstrategien und wird innerhalb kürzester Zeit unermesslich reich.

Er zwingt seinen Bruder Mime, der natürlich auch Schmied ist, ihm aus dem restlichen Gold einen Tarnhelm und allerlei anderen Tant zu klöppeln. Von nun an macht der feine Herr sich nicht mehr selbst die Finger schmutzig!

ALBERICH (mit hitleresquem Tonfall):

HE AN DIE ARBEIT! ALLE VON HINNEN! HURTIG HINAB! AUS DEN SCHÄCHTEN SCHAFFT MIR DAS GOLD! EUCH GRÜSST DIE GEISSEL, GRABT IHR NICHT RASCH! ZITTRE UND ZARGE, GEZÄHMTES HEER: RASCH GEHORCHT DES RINGES HERRN!

(… abwartend) Das Kommt immer gut, ne?! So eine kleine vergrießgnaddelte Zwergengestalt, die die Weltherrschaft will … Da hab ich sofort diese Stimme im Kopf … Ihr doch auch …

Kommen wir nun zu einem anderen Weltbeherrscher … WOTAN!

Der Ober-Gott – oder Oper-Gott … Opa-Gott … Der maßgebliche Spielführer in Wagners “Dreihunderttausend Groschen Oper”. Schon wieder “Führer”… Wie auch immer. Wotan erwacht auf einer grünen Rheinwiese neben seiner Frau Fricka.

Die beiden sind gerade obdachlos – aber nicht mehr lange! Wotan hat die Riesen Fasolt und Fafner beauftragt, ihm einen Trump Tower zu bauen. Das protzige Bauwerk steht kurz vor der Vollendung und soll nun bezugsfertig übergeben werden. Eigentlich war das Ganze mehr so Frickas Idee. Sie hatte die Nase voll davon, dass ihr feiner Herr Gemahl sich nächtelang rumtrieb und es weder mit den ehelichen Pflichten, noch mit der ehelichen Treue so genau nahm … Deshalb glaubt sie, so ein schönes Heim, mit Häkeldeckchen über dem Sofa, – dass wird den Schwerenöter schon zur Raison bringen … na, na …

Da sehen wir das Teil … Bisschen klobig – aber die Erbauer sind selbst auch eher klotzig … Wotan, wie viele Bauherren – auch heute noch, hat das Vorhaben nicht so ganz genau durchkalkuliert … Also genau genommen hat er gar keine müde Puseratze um die Riesen zu bezahlen. Deshalb hat er ihnen kurzerhand seine Schwägerin Freia versprochen …

Das ist sie hier … Die in der Mitte. Die Ängstliche. Fasolt und Fafner haben leider nicht ganz auf das Bild gepasst. Sind ja Riesen …

Der hier ist Fafner.

Wotans Kumpel und Berater Loge, der Gott des Feuers und ein ziemlicher Anarchist, eigentlich nur ein “Halb-Gott” – er hier:

… erzählt Wotan von Alberichs Goldschatz und schlägt vor, dem Grottenolm den Schatz zwecks Aufbesserung der Staatskasse einfach zu klauen.

LOGE:

WAS EIN DIEB STAHL, DAS STIEHLST DU DEM DIEB; WART LEICHTER EIN EIGEN ERLANGT?!

Eine Logik, die auch heute noch durchaus in Politik und Wirtschaft zuhause ist. Wotan und Loge jagen also Alberich den Schatz ab und bezahlen damit die Bauunternehmer der “Fasolt und Fafner Hoch Tief GmbH und Co. KG”. Fasolt ist gar nicht so begeistert, weil er mittlerweile ein triefiges Auge auf die schöne Freia geworfen hat. Er flieht mit ihr auf das Empire State Building …

Naja, das ist jetzt Quatsch! Sieht aber toll aus! KING KONG von 1933 ist übrigens mein absoluter Lieblingsfilm – und das baue ich immer irgendwie ein …

FASOLT:

FREIA DIE HOLDE, HOLDA DIE FREIE … VERTRAG IST’S, SIE TRAGEN WIR HEIM!

FREIA:

HÜLFE! HÜLFE! HELFT VOR DEN HARTEN …

Um Freia frei zu kaufen, muss Wotan nun das ganze schöne Gold wieder abgeben.

Freia als Göttin der Jugend ist nicht nur ein ziemlich heißes Ding, ihre Äpfel – also die Äpfel, die sie in ihrem Garten anbaut – schenken den Göttern auch ewige Jugend. Das muss Wotan kurz entfallen sein, als er Freia den “Harten” versprach…

Nun zwingen die Harten ihn also, das ganze Gold und auch noch den Ring rauszurücken … Und so wechselt der Ring erneut seinen Besitzer … Alberich, als erster Räuber des Rheingoldes und Schöpfer des Rings, hat diesen aber mit einem Fluch belegt:

… Die haben den Gnom echt bis auf’s letzte Hemd ausgezogen…

ALBERICH:

VERFLUCHT SEI DIESER RING! TOD DEM, DER IHN TRÄGT! KEIN FROHER SOLL SEINER SICH FREUN; KEINEM GLÜCKLICHEN LACHE SEIN LICHTER GLANZ. WER IHN BESITZT DEN SEHRE DIE SORGE, UND WER IHN NICHT HAT, DEN NAGE DER NEID!

Ok, das scheint jetzt nicht ganz plausibel … Neidisch auf Sorge? Der Fluch des Rings zeigt aber sofort Wirkung:

Im Streit um das Gold schlägt Fafner seinem Bruder Fasolt den Schädel ein! Wotan ist das Wurscht! Er zieht erstmal in sein nagelneues Prunkschloss, tauft das Anwesen “Walhall” und lässt den Lieben Gott ‘n guten Mann sein …

Fafner macht sich mit Ring und Schatz davon, um von nun an als Drache in einer Höhle auf dem Gold rumzuvegetieren…

…aus den Tiefen des Rheins hört man die Rheintöchter jammern, der Vorhang fällt …und völlig erschlagen hat man den ersten Abend überstanden!

Was für ein Wahnsinn!

Nun würd’ ich ja gerne noch weiter erzählen, aber leider ist mir – wie auch schon dem Schöpfer des Rings – Alberich … äh … Wagner – das Geld ausgegangen, so dass ich eine Schaffenspause einlegen muss!

Es wird natürlich super spannend, wenn’s weitergeht! Hier! Auf den freue ich mich besonders: Der größte Deutsche Sagenheld: SIEGFRIED – und Roy! OK, der kleine Kerl ist nicht überliefert – aber lustig! Kann sein, dass ich mir das ausgedacht habe. Siegfried ist leider von schlichtem Gemüt …

Es wird in jedem Fall wahnsinnig … brutal, absurd und … ja, wahnsinnig!

Bleibt dran – ich hoffe, wir sehen uns wieder!

Vielen Dank!

ENDE der Kurzversion

© Robert Schlunze, 2017